Alpenüberquerung mit Hürzeler Radreisen vom 21.06.2026 bis 01.07.2026

Bericht von Hlavka Hans Peter

Mit dem eigenen Rennrad von Maienfeld in der Schweiz (nahe Sargans) nach San Remo in Italien.

Wir fuhren in 2 Gruppen, bestehend aus je 6 Personen. Ich entschied mich für die schnellere Gruppe mit dem Guide und Leiter der ganzen Reise Martin Mächler.

21.06.: Start in Maienfeld, weiter über den Luzisteig zurück nach Maienfeld, weiter zur Via Mala Schlucht, dort zu Fuß in die Schlucht über 336 Treppen. Dort hat sich der Hinterrhein in sehr beeindruckender Weise durch den Fels gearbeitet. Dann wieder zurück mit dem Rad nach Maienfeld in das Heidi Hotel und weiter nach Thusis. 100 km, 1300 hm. Übernachtung im 3* Hotel Weisses Kreuz. Beim Abendessen meinen 79. Geburtstag gefeiert, von der Hotelchefin einen kleinen Bergkristall als Präsent erhalten.

22.06.: Die Königsetappe über den San Bernadino hinunter nach Bellinzona und weiter nach Ancona am Lago Maggiore. Probleme mit meiner Sattelstütze, ist wiederholt hinuntergerutscht. Nach dreimaligem Nachjustieren dann in Ordnung. Kostete mich zusätzlich Energie, da ich jedes Mal zur Gruppe aufschließen musste. Das hinderte mich aber nicht daran, auf den letzten 7 Kilometern bis zur Passhöhe zur Spitzengruppe, bestehend aus Sepp, Irene und Gerhard, aufzuschließen. Da ich gute Beine hatte, wurde ich etwas übermütig und übernahm die Führung in den bis zu 12% steilen Kehren. In jeder Linkskurve nahm ich die Kampflinie (ganz links) und holte mir dabei einen kleinen Vorsprung heraus, den meine Kollegen erst wieder wettmachen mussten. Das war natürlich nur möglich, weil so gut wie kein Gegenverkehr herrschte. Dieses Spiel setzte sich bis ca. 1 km vor der Passhöhe fort. Da übernahm Sepp (53 Jahre alt) die Führung, und seine Frau Irene (51 Jahre alt) schloss zu mir auf. Sie meinte, dass es besser sei Sepp nicht zu folgen. Da ich mich schon am Limit meiner Leistungsgrenze befand, fand ich ihre Idee gar nicht so schlecht, und wir erreichten ungefähr 20 Sekunden nach Sepp die Passhöhe des San Bernardino in 2066 Metern Höhe. Gerhard (48 Jahre alt) kam ca. 40 Sekunden später an. Carola und Joerg folgten nach ca. 30 Minuten. Nach kurzer Einkehr ging es in flotter Fahrt eine Kehre nach der anderen 1800 Höhenmeter hinunter nach Ancona am Lago Maggiore. Temperatur um die 32 Grad. Gemeinsames Abendessen in einem guten Restaurant auf Kosten von Hürzeler. Übernachtung im 3* Hotel Luna.

23.06.: Wohlverdienter Ruhetag. Ca. 400 Meter Schwimmen im Lago Maggiore bei 26 Grad Seetemperatur. Abendessen direkt am See.

24.06.: Nach kurzer Fahrt am Lago Maggiore ging es rechts ins Valle Cannobina in Italien und weiter auf den Passo dello Scopello. Dort gibt es einen Gedenkstein an Marco Pantani. Von dort über Domodossola hinunter zum Lago d´Orta.  105 km, 1400 Hm. Abendessen und Frühstück im 4* Hotel L`Approdo.

25.06.: Beim Abholen meines Rades aus der Garage Patschen beim Vorderrad, Ursache war ein Metallstift , den ich mir am Vortag eingefahren hatte. Martin montierte meinen Reserveschlauch und die Radtour konnte beginnen. Diesmal fuhren wir größtenteils quer durch Reisfelder, wo der italienische Risottoreis gepflanzt wird. Nach einem neuerlichen Anstieg ging es hinunter zum Lago di Viverone. 90 km, 1000 Hm. Abendessen und Frühstück im 4* Hotel Marina Viverone.

26.06.: Vorgesehen war als nächster Zielort Alba, welcher Teil des Unesco Welterbes ist. 105 km, 1100 Hm. Aber für mich war die bis dahin wunderbare Radreise 20 km vor Alba vorzeitig zu Ende! In einer Rechtskurve rutschte mir bei ca. 35 km/h das rechte Vorderrad weg, und ich schlug zuerst mit dem Kopf, dann mit der rechten Schulter und dann mit der rechten Hüfte ziemlich unsanft auf dem Asphaltboden auf. Dabei war ich aber nicht zu schnell in die Kurve hineingefahren, denn der Crash spielte sich nach dem Kurvenausgang auf der rechten Fahrbahnhälfte ab. Dadurch konnte der knapp hinter mir fahrende Kollege Gerhard problemlos links vorbeifahren. Glücklicherweise gab es zu diesem Zeitpunkt weder von vorne noch von hinten Autoverkehr. Guide Martin und Gerhard reagierten sofort und sorgten für die Sperre der Straße. Danach wurde ich von meinen Kollegen vorsichtig auf den Straßenrand getragen. Kollege Joerg aus Hamburg spendete mir mit einer Tafel Schatten, es hatte an die 35 Grad! Ich verschaffte mir einen Überblick meiner Blessuren: sehr starke Schmerzen in der rechten Schulter und in der rechten Hüfte und natürlich jede Menge an Hautabschürfungen.

Es wurde ein Krankenwagen angefordert, welcher ca. 40 Minuten später eintraf. Einlieferung ins Krankenhaus Verduno, wo im Röntgen ein Schlüsselbeinbruch festgestellt wurde. Ein Gilchristverband wurde mir angelegt. Auch die Hüfte wurde geröntgt, dabei aber keine Fraktur festgestellt. Allerdings bereitete mir die rechte Hüfte die meisten Schmerzen. Nach 6 Stunden im Spital fuhr ich mit Christa Mächler (Fahrerin des Hürzeler Busses) in das 4*Hotel Calissano in Alba. Martin legte mir einen fachgerechten Verband an der rechten Hüfte an. Überhaupt möchte ich festhalten, dass Christa und Martin Mächler sich in vorbildlicher Weise um mich gekümmert haben. Aber wie ging es mit mir und meinem Fahrrad weiter? Martin und ich fassten folgenden Plan: Martin nimmt mein Fahrrad mit in den Bus und gibt es am 01.07. in mein Auto, welches sich auf dem Parkplatz in Maienfeld befindet. Ich selbst fuhr am 28.06. um 5.30 Uhr mit dem Taxi nach Mailand und von dort mit dem Zug nach St. Pölten mit einmal Umsteigen in Innsbruck. Ankunft in St. Pölten um 19.00 Uhr. Das hat gut geklappt.

Am 30.06. Erstversorgung in der Unfallambulanz St. Pölten. Röntgen der rechten Schulter und der Lendenwirbelsäule: die Schlüsselbeinfraktur wird bestätigt, bei der Lendenwirbelsäule keine Fraktur festgestellt. Am 09.07. Nachbehandlung Ambulanz St. Pölten. Auf Grund meiner starken Hüftschmerzen wurde eine Computertomographie vorgenommen, wobei sich eine Fraktur des rechten Kreuzbeines zeigte. Keine Operation notwendig, aber 2 Monate Heilungsdauer!

Bleibt noch die Frage, wie kam ich zu meinem Auto, das sich ja noch immer auf dem Parkplatz des Heidi Hotels in Maienfeld in der Schweiz befand? Ein Bekannter von mir hatte vor, Verwandte in Zürich mit dem Zug zu besuchen. Er holte mein Auto in Maienfeld ab, fuhr damit nach Zürich und dann mit meinem Auto zurück nach St. Pölten.

Ich kann zwar nicht sagen: Ende gut alles gut, aber ich bin optimistisch in 2 Monaten wieder einsatzfähig zu sein.

Hlavka Hans Peter