Bericht von Hlavka Hans Peter
Mit dem eigenen Rennrad von Maienfeld in der
Schweiz (nahe Sargans) nach San Remo in Italien.
Wir fuhren in 2 Gruppen, bestehend aus je 6
Personen. Ich entschied mich für die schnellere Gruppe mit dem Guide und Leiter
der ganzen Reise Martin Mächler.
21.06.: Start in Maienfeld, weiter über den
Luzisteig zurück nach Maienfeld, weiter zur Via Mala Schlucht, dort zu Fuß in
die Schlucht über 336 Treppen. Dort hat sich der Hinterrhein in sehr
beeindruckender Weise durch den Fels gearbeitet. Dann wieder zurück mit dem Rad
nach Maienfeld in das Heidi Hotel und weiter nach Thusis. 100 km, 1300 hm.
Übernachtung im 3* Hotel Weisses Kreuz. Beim Abendessen meinen 79. Geburtstag
gefeiert, von der Hotelchefin einen kleinen Bergkristall als Präsent erhalten.
22.06.: Die Königsetappe über den San Bernadino
hinunter nach Bellinzona und weiter nach Ancona am Lago Maggiore. Probleme mit
meiner Sattelstütze, ist wiederholt hinuntergerutscht. Nach dreimaligem
Nachjustieren dann in Ordnung. Kostete mich zusätzlich Energie, da ich jedes
Mal zur Gruppe aufschließen musste. Das hinderte mich aber nicht daran, auf den
letzten 7 Kilometern bis zur Passhöhe zur Spitzengruppe, bestehend aus Sepp,
Irene und Gerhard, aufzuschließen. Da ich gute Beine hatte, wurde ich etwas
übermütig und übernahm die Führung in den bis zu 12% steilen Kehren. In jeder
Linkskurve nahm ich die Kampflinie (ganz links) und holte mir dabei einen
kleinen Vorsprung heraus, den meine Kollegen erst wieder wettmachen mussten.
Das war natürlich nur möglich, weil so gut wie kein Gegenverkehr herrschte.
Dieses Spiel setzte sich bis ca. 1 km vor der Passhöhe fort. Da übernahm Sepp
(53 Jahre alt) die Führung, und seine Frau Irene (51 Jahre alt) schloss zu mir
auf. Sie meinte, dass es besser sei Sepp nicht zu folgen. Da ich mich schon am
Limit meiner Leistungsgrenze befand, fand ich ihre Idee gar nicht so schlecht,
und wir erreichten ungefähr 20 Sekunden nach Sepp die Passhöhe des San
Bernardino in 2066 Metern Höhe. Gerhard (48 Jahre alt) kam ca. 40 Sekunden
später an. Carola und Joerg folgten nach ca. 30 Minuten. Nach kurzer Einkehr
ging es in flotter Fahrt eine Kehre nach der anderen 1800 Höhenmeter hinunter
nach Ancona am Lago Maggiore. Temperatur um die 32 Grad. Gemeinsames Abendessen
in einem guten Restaurant auf Kosten von Hürzeler. Übernachtung im 3* Hotel
Luna.
23.06.: Wohlverdienter Ruhetag. Ca. 400 Meter
Schwimmen im Lago Maggiore bei 26 Grad Seetemperatur. Abendessen direkt am See.
24.06.: Nach kurzer Fahrt am Lago Maggiore ging
es rechts ins Valle Cannobina in Italien und weiter auf den Passo dello
Scopello. Dort gibt es einen Gedenkstein an Marco Pantani. Von dort über
Domodossola hinunter zum Lago d´Orta.
105 km, 1400 Hm. Abendessen und Frühstück im 4* Hotel L`Approdo.
25.06.: Beim Abholen meines Rades aus der
Garage Patschen beim Vorderrad, Ursache war ein Metallstift , den ich mir am
Vortag eingefahren hatte. Martin montierte meinen Reserveschlauch und die
Radtour konnte beginnen. Diesmal fuhren wir größtenteils quer durch Reisfelder,
wo der italienische Risottoreis gepflanzt wird. Nach einem neuerlichen Anstieg
ging es hinunter zum Lago di Viverone. 90 km, 1000 Hm. Abendessen und Frühstück
im 4* Hotel Marina Viverone.
26.06.: Vorgesehen war als nächster Zielort
Alba, welcher Teil des Unesco Welterbes ist. 105 km, 1100 Hm. Aber für mich war
die bis dahin wunderbare Radreise 20 km vor Alba vorzeitig zu Ende! In einer
Rechtskurve rutschte mir bei ca. 35 km/h das rechte Vorderrad weg, und ich
schlug zuerst mit dem Kopf, dann mit der rechten Schulter und dann mit der
rechten Hüfte ziemlich unsanft auf dem Asphaltboden auf. Dabei war ich aber
nicht zu schnell in die Kurve hineingefahren, denn der Crash spielte sich nach
dem Kurvenausgang auf der rechten Fahrbahnhälfte ab. Dadurch konnte der knapp
hinter mir fahrende Kollege Gerhard problemlos links vorbeifahren. Glücklicherweise
gab es zu diesem Zeitpunkt weder von vorne noch von hinten Autoverkehr. Guide
Martin und Gerhard reagierten sofort und sorgten für die Sperre der Straße. Danach
wurde ich von meinen Kollegen vorsichtig auf den Straßenrand getragen. Kollege
Joerg aus Hamburg spendete mir mit einer Tafel Schatten, es hatte an die 35
Grad! Ich verschaffte mir einen Überblick meiner Blessuren: sehr starke
Schmerzen in der rechten Schulter und in der rechten Hüfte und natürlich jede
Menge an Hautabschürfungen.
Es wurde ein Krankenwagen angefordert, welcher
ca. 40 Minuten später eintraf. Einlieferung ins Krankenhaus Verduno, wo im
Röntgen ein Schlüsselbeinbruch festgestellt wurde. Ein Gilchristverband wurde
mir angelegt. Auch die Hüfte wurde geröntgt, dabei aber keine Fraktur
festgestellt. Allerdings bereitete mir die rechte Hüfte die meisten Schmerzen.
Nach 6 Stunden im Spital fuhr ich mit Christa Mächler (Fahrerin des Hürzeler
Busses) in das 4*Hotel Calissano in Alba. Martin legte mir einen fachgerechten
Verband an der rechten Hüfte an. Überhaupt möchte ich festhalten, dass Christa
und Martin Mächler sich in vorbildlicher Weise um mich gekümmert haben. Aber
wie ging es mit mir und meinem Fahrrad weiter? Martin und ich fassten folgenden
Plan: Martin nimmt mein Fahrrad mit in den Bus und gibt es am 01.07. in mein
Auto, welches sich auf dem Parkplatz in Maienfeld befindet. Ich selbst fuhr am
28.06. um 5.30 Uhr mit dem Taxi nach Mailand und von dort mit dem Zug nach St.
Pölten mit einmal Umsteigen in Innsbruck. Ankunft in St. Pölten um 19.00 Uhr.
Das hat gut geklappt.
Am 30.06. Erstversorgung in der Unfallambulanz
St. Pölten. Röntgen der rechten Schulter und der Lendenwirbelsäule: die
Schlüsselbeinfraktur wird bestätigt, bei der Lendenwirbelsäule keine Fraktur
festgestellt. Am 09.07. Nachbehandlung Ambulanz St. Pölten. Auf Grund meiner
starken Hüftschmerzen wurde eine Computertomographie vorgenommen, wobei sich eine
Fraktur des rechten Kreuzbeines zeigte. Keine Operation notwendig, aber 2
Monate Heilungsdauer!
Bleibt noch die Frage, wie kam ich zu meinem
Auto, das sich ja noch immer auf dem Parkplatz des Heidi Hotels in Maienfeld in
der Schweiz befand? Ein Bekannter von mir hatte vor, Verwandte in Zürich mit
dem Zug zu besuchen. Er holte mein Auto in Maienfeld ab, fuhr damit nach Zürich
und dann mit meinem Auto zurück nach St. Pölten.
Ich kann zwar nicht sagen: Ende gut alles gut,
aber ich bin optimistisch in 2 Monaten wieder einsatzfähig zu sein.
Hlavka Hans Peter
